Von Santander bis Gijon

Wir hatten uns eine Reisepause in Santander wirklich verdient. Zum einen wollten wir nach der 36 Stunden-Nonstop-Biskayaquerung einfach entspannen, zum anderen kamen ja die Tiefdruckgebiete in der Biskaya zügig voran und bremsten unsere Weiterfahrt eh aus.

Santander – der Name verursachte erst einmal eine Assoziation mit der gleichnamigen Bank, die tatsächlich dort ihren Sitz hat. Von der Stadt, die Hauptstadt der Region Kantabrien in Nordspanien ist, hatten wir noch nie bewußt irgendetwas gehört. Und nun hatten wir gleich sechs Tage Zeit, alles zu erkunden – fünf Tage Starkwind und Sturm sowie einen Tag zum Abflachen der Wellenberge… 😉

Je roter, desto Sturm

In der Marina Santander waren wir immer hin- und hergerissen, die Lage und den Zustand nun ‚großartig‘ oder ‚blöd‘ zu finden. Je nach aktuellen Bedürfnissen passt nämlich beides: der Yachthafen ist relativ neu, die Stege sind gut und zugangsgesichert, und man schaut zur einen Seite auf Palmen und drei schöne Appartementbauten. Hier wurde mal richtig investiert, hier hatte mal jemand große Pläne.

Und dann wohl kein Geld oder keine Geduld mehr. Denn, hinter diesen Bauten und auf der anderen Seite, wo sich ein kleiner Werftbetrieb mit Winterlagerplätzen und ein uralter Gebäudekomplex für das Hafenbüro und eine Bar befindet, schmuddelt es so vor sich hin. Es gibt einen immer fröhlichen und hilfsbereiten Hafenmeister und dazu aber auch zwei Damen im Büro, die jedem Behördenklischee mehr als entsprechen. Tatsächlich dauerte nicht nur unsere erste Anmeldung 15, sondern unsere Verlängerungsaktion nach drei Tagen ganze 20 Minuten. Jeweils zwei Damen suchten unsere Unterlagen, tippten wie wild in den Computer, fanden irgendwann rosa Kopien in einem rosa Ordner und tackerten alle Daten erneut in den PC. Nur damit wir – voll modern – eine digitale Unterschrift (auf einem spanischen Vertrag, der weit weg auf einem Bildschirm (nicht) zu lesen war…) leisten konnten und anschließend einen hellblauen Ausdruck mit Liegeplatzdaten für April 2016 erhielten. Ich war mehrfach versucht, unsere Hilfe anzubieten bzw. laut zu schreien. Beides habe ich natürlich ganz brav unterlassen.

Dann liegt die Marina auch direkt am Flughafen und hat – Micha konnte sein Glück kaum fassen… 😉 – freien Blick und gutes Gehör 😯 auf die landenden oder auch startenden Flugzeuge. Allerdings kamen gerade mal drei bis fünf (Ryanair-)Flieger pro Tag, so dass der Lärm wirklich zu vernachlässigen war. Viel wichtiger war, dass der starke Wind so weit im Inland kaum ankam und Carlotta total ruhig am Steg lag.

Sobald man aber aktiver werden will, gilt es ein paar Klippen zu überwinden – in diesem Fall ein 20-minütiger Fußmarsch (u.a. durch den Landebahn-Tunnel) bis zur Bushaltestelle und eine 30-minütige Busfahrt bis zur Innenstadt. Da wir solche Aktionen immer als Teil des Abenteuers ansehen und ja eh Zeit hatten, genossen wir den Ausflug. Für 1,10 Euro pro Person fuhren wir durch die Vororte, vorbei an den großen Einkaufszentren (die es in der Innenstadt nicht gibt) bis zum Bahnhof und dem Altstadtviertel.

Wir fanden zufällig eine Bar mit Tapas-geladener Vitrine und suchten uns ein paar unkonventionelle Schätzchen aus, die wir genüßlich am Tisch in der Gasse verspeisten. Richtig sattgefuttert, freuten wir uns über diesen günstigen Lunch für gerade mal 17 Euro inkl. Getränk. Wer also jenseits der klassischen Tapas unterwegs sein will, dem empfehlen wir die ‚La Esquina del Arrabal‘.

Was man auf diesem Foto nicht so gut erkennt, aber allgegenwärtig ist, sind die Masken. Fast jede/r trägt eine, natürlich in jedem Geschäft, aber auch im Park, auf den Straßen und egal, ob allein unterwegs oder zu mehreren. Für die Spanier ist es eine Selbstverständlichkeit, die Schutzmasken zu tragen, um sich bzw. vor allen Dingen andere zu schützen. Und das, obwohl die Spanier innerhalb Europas am weitesten mit der 2. Impfung in der Bevölkerung sind und geringe Akzeptanzprobleme haben.

Zurück im Hafen und nach der dritten Nacht, meldet sich das maritime Putz- bzw. Verschönerungs-Gen in mir. In diesem Fall schrubbten wir – endlich mal – den Nordseegilb von Carlotta und gönnten dem Deck und Cockpit eine komplette Entsalzungsdusche.

Nur vom Schlauchboot aus ließ sich bis zum Wasserpass putzen

Dafür meinte es der Wettergott an diesem Tag mit uns echt gut. Putzen macht bei Sonnenschein einfach viel mehr Spaß, als bei grauem Himmel. Die restlichen Tage war es allerdings bedeckt und/oder regnete… ;-(  , ließen sich aber für einen anderen Verschönerungsversuch 😉 nutzen. Kaum überraschend ist sicher, dass ich Michas Kurzhaarschnitt alle vier Wochen mit einem Trimmer erneuere. Etwas ungewöhnlicher ist dann schon, dass er mir beim Haarefärben half. Der Ansatz war fällig, und L’Oreal Perfect Age kam zum Einsatz. Das muss ein Bild für die Götter gewesen sein, wie ich in der Plicht auf dem Fußboden saß, ein Umhang uns beide vor Farbklecksen schützte und Micha mir mit einem Kamm die Farbe auftrug. Ich überlasse Euch das Kopfkino – wir hatten jedenfalls viel zu lachen – und ich später wieder mehr blond in den Haaren.

Mit uns gleichzeitig lag eine irische Yacht am Steg, und der Besitzer Frank brachte sein Boot nach 15 Jahren Spanien- und Portugalsegeln nach Hause. War das eine Freude mit ihm und seinem Kumpel Eddy zu quatschen und viele Tips für unsere nächsten Wochen mitzunehmen. Vor allen Dingen in einer Sprache, die wir beherrschen und wo es über ein kurzes ‚Hola‘, ‚Buenas Dias‘ und ‚Buneas Noches‘ hinausgeht. In Französisch klappte das in den sieben Wochen ja sehr gut, aber, die spanische Sprache werden wir für diese kurze Zeit nicht lernen können. In Portugal hoffen wir dann auch gut mit Englisch zurecht zu kommen.

Dann war der Morgen da, an dem wir noch bei Dunkelheit ablegten. Ist schon spannend, wenn man versucht, die blinkenden Fahrwassertonnen zwischen all den anderen städtischen Lichtquellen zu identifizieren und gleichzeitig auf die vielen Fischer aufpassen muss, die – auch mal unbeleuchtet und querbeet  – in Richtung See fuhren.

Morgens um sechs Uhr war es fast noch stockfinster in Santander

Sonnenaufgänge sind immer wieder beeindruckend in ihrer erhellenden Entwicklung 🙂 .

Zwölf Stunden und 72 Meilen später, kamen wir in Llastres an. Dieser Küstenabschnitt in Nordspanien zeichnet sich durch eine geringe Hafendichte aus, so dass wir eigentlich bis Gijon durchfahren wollten. Aber, Wind und Wellen nervten uns im Laufe des Tages so sehr, dass wir nach zwölf Stunden die Faxen dicke hatten und „schon“ stoppten. Wenn man bedenkt, dass wir ursprünglich von Bourgenay aus direkt Gijon angepeilt hatten, merkten wir nun deutlich, was wir an Strecke eingespart hätten. Hätte, hätte…uns fiel es aber besonders auf, da wir durch das graue Wetter eh nichts von der vermeintlich schönen Küste wahrnehmen konnten.

Llastres besteht aus einem Bergdorf mit kleinem Fischerhafen. Vom Meer kommend, sah es charmant aus, und von Land, muss es wirklich idyllisch wirken.

Es gibt dort aber nur zwei echte Besucherplätze an recht wackeligen Schwimmstegen, so dass wir als Dritter im Bunde schon an einem Notsteg festmachten. Ins Päckchen legen, wurde vom Hafenmeister verboten, so dass eine vierte Yacht tatsächlich wieder rausfahren musste. Es war bzw. ist dort aber auch unruhig: immenser Schwell und sehr viele große Fischerboote, die rein- und rauspendeln. Viele brachten netzweise Algen oder Seetang und wurden lautstark in LKW entladen – bis spät abends. Und wir kamen auch nicht vom Steg, da der Hafenmeister verschwunden war und wir keinen Steg-Schlüssel besaßen. Grrr. Idylle sähe wirklich anders aus.

Letztendlich erreichten wir Gijon und fanden erfreulicherweise eine ganz andere Hafensituation vor. Es gibt drei große Besucherpontons, an denen man freie Platzwahl hat und wo wenige Schiffe lagen. Alles recht ruhig, wenig Schwell, nah zur Innen- bzw. Altstadt und breite Promenaden, die von erstaunlich wenig Passanten frequentiert wurden.

Am nächsten Mittag klärte sich dann auf, wo all die Menschen abblieben. Die saßen nämlich alle ab ca. 12.30 Uhr in den vielen kleinen Restaurants. Wir hatten uns am ersten Tag beim Flanieren durch die Altstadt Appetit auf frischen Fisch geholt, hatten aber nirgends reserviert, da das Angebot riesig war. Nun holten wir uns eine Ablehnung nach der anderen, alle Tische waren belegt. Irre. Endlich entdeckten wir einen Platz, bestellten schon mal die Getränke – nur um dann bei der Durchsicht der Speisekarte festzustellen, dass wir im (bestimmt einzigen) Nicht-Fisch-Restaurant gelandet waren 😡 . Das es sowas an Spaniens Küste überhaupt gibt… Mein Salat war aber gigantisch, sehr speziell und besonders lecker. Micha gönnte sich eine „Degustation Sausages“ mit gewaltigen 😉 Beilagen.

Insgesamt war uns die Stadt sehr sympathisch.

Und das lag vielleicht auch daran, dass es im Sommer dort fast täglich Musikveranstaltungen gibt, demnach auch Mitte August. Eine Bühne lag so geschickt, dass wir die Bands gut vom Boot aus hören (wenn auch zur Startzeit um 22 Uhr nicht sehen) konnten.

Lange hielten wir nicht durch; immerhin wollten wir am nächsten Morgen um 7 Uhr ablegen. Gute Nacht, Gijon.

 

2. bis 9. August Aufenthalt im Yachthafen Santander

31. Etmal am 9. August nach Llastres – 72 Meilen, davon nur 21 segelnd

32. Etmal am 11.08. weiter bis Gijon – 20 Meilen unter Motor