Porto und seine zwei Häfen

Wir hatten schon unterwegs gehört, dass man für den Stadthafen Porto unbedingt frühzeitig einen Liegeplatz reservieren sollte. Es stand ja fest, dass wir spätestens abends am 14. September dort sein wollten, um unseren Familienbesuch vom Flughafen abzuholen – und dann wollten wir in der relativ teuren Marina, vier Tage gemeinsam verbringen. Ok, wir entschieden also, zuerst drei Nächte in der gut zehn Kilometer nördlich gelegenen Marina Leixoes zu pausieren und fuhren dort einfach mal von Vigo aus hin.

Wir waren aufgrund verschiedener Vorinformationen etwas kritisch eingestellt und erwarteten im Bereich der Gastliegeplätze starken Schwell durch viele Trawler und Lotsenboote. Was wir allerdings nicht erwartet hatten, war ein “Fahren Sie bitte wieder weg, wir haben keine freien Plätze mehr” 😯 . Nee, so nicht mit uns. Und, gerade als ich das Diskutieren anfangen wollte 😉 – es waren nämlich einige unbelegte Boxen vorhanden – kam eine Dame aus dem Büro und wies den Kollegen an bzw. uns einen Platz zu. Supi, wir hatten mal wieder richtig Glück und lagen die nächsten Tage hervorragend geschützt und ruhig in Leixoes.

Grandios war die Nähe zum Strand:

Bei bestem Sommerwetter testeten wir schnell mal die Wassertemperatur

und ließen uns einen Eisbecher im Strandcafé schmecken. Als es ans Bezahlen ging, verging uns beinahe der Spaß. Der Kellner kam ohne Quittung und forderte 16 Euro. Wir hatten maximal 12 hochgerechnet…”oh, sorry, there is a mistake…” stammelte er auf unsere Gegenfrage und brachte uns dann doch noch die korrekte Abrechnung. Ein Schelm, wer da geplanten Touri-Nepp vermutet.

Das konnte uns aber nicht erschüttern. Der stetige Blick auf die hohe Brandung trieb uns zurück zum Boot, um unsere Badesachen zu holen und uns in den mindestens 19 Grad “warmen” Atlantik zu stürzen 🙂 .

Zwar hatten wir ja gerade erst SUPs und das Dinghi gut verstaut, aber unser Badezeugs lag natürlich noch im schnellen Zugriff 🙂 . Richtig schwimmen, kann man hier übrigens selten. Die Wellen sind sehr hoch, es gibt starke Unterströmungen und somit herrschte eingeschränktes Badeverbot. Die Security pfiff regelmäßig Leute zurück ins flache Wasser.

Während viele Segler von diesem günstigen Hafen aus die Großstadt Porto mit der Metro anfahren, hoben wir uns diese Besichtigung noch auf. Wobei, wenn man Shopping im naheliegenden Baumarkt und die Busfahrt dorthin gelten lässt, gaben wir uns auch schon dem Sightseeing hin… 🙂

Zwar sind 85% der Portugiesen doppelt geimpft, Maskenpflicht herrscht aber vielerorts

Am Dienstag, dem 14. September, verholten wir morgens in die Marina Douro.

Der moderne Hafen Portos liegt kurz hinter der Mündung des Douro, direkt an diesem Fluß und direkt an dem kleinen, ursprünglichen Ort Gaia.

Dort gab es einfach alles, was uns glücklich machte: täglich Marktstände mit Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch, einen Bäcker mit kleinem Café,  zwei Tante-Emma-Läden und einige Restaurants. Typisch ist dort, seinen Wunsch-Fisch an einem Tresen auszusuchen und diesen auf dem Outdoor-Grill zubereiten zu lassen. Ihr könnt Euch vorstellen, wie lecker es die Straße entlang duftete.

Und, wie man auf diesen Fotos schon erkennen kann, waren wir umgeben von der regional typischen Fassadengestaltung der Wohnhäuser. Bunte Wandfliesen bilden sehenswerte Mosaike und lassen die Gassen farbenfroh schillern.

Oft ergänzt auch noch eine individuell gestaltete Haustür diese lebhaft-fröhliche Umgebung.

Und noch eine weitere Besonderheit mit traditionell-historischem Ursprung findet sich in Gaia: ein öffentliches Waschhaus, das regelmäßig genutzt wird. Das Prinzip mit verschiedenen Becken und Wasserzu- und -abläufen inklusive Regen-Einlassöffnung hat uns begeistert.

Wir hatten es allerdings weniger beschwerlich und mussten uns auch nicht in die lange Schlange vor der Hafen-Waschmaschine einreihen. Bianca und Laura verfügten in ihrer Airbnb-Wohnung über ein modernes Exemplar und boten uns diesen einmaligen Service gerne an. Prima, wenn man solche netten Gäste hat 🙂 . Das schöne Wetter zum Wäschetrocknen gab es ebenfalls gratis obendrauf.

Nachdem sich unsere Gäste an Bord akklimatisiert und uns bei der Montage unserer neuen Leinenhalterungen geholfen hatten,

starteten wir unsere Stadtbesichtigung. Wir nutzten die Seilbahn bis zur oberen Ebene der berühmten Fachwerk-Bogenbrücke, die Ponte Luis I und konnten uns gar nicht sattsehen an dieser Konstruktion von 1886. Unten fahren die Pkw und oben die Metro; Passanten können auf beiden Ebenen den Douro überqueren.

Von ganz oben hat man natürlich einen herrlichen Ausblick.

Nach kurzer Zeit erreichten wir mit dem Bahnhof Sao Bento eines der unzähligen beeindruckenden, alten Gebäude Portos. 1916 nahm er seinen Betrieb auf, wird unverändert genutzt und besticht durch seine künstlerisch gestaltete Vorhalle. Diese ist mit zahlreichen, typisch portugiesischen Fliesenbildern, den sogenannten Azulejos, geschmückt.

Man kann in Porto kaum um die Ecke gehen, ohne wieder vor einem weiteren Prachtbau zu stehen.

Mir haben es allerdings vor allen Dingen wieder die Fassaden der Gebäude angetan. Drei- bis vierstöckig sind die Häuser allemal, aber halt nicht alle gleich hoch und immer unterschiedlich eingefärbt.

Bilden sich enge Schluchten und steile Ansichten, wirkt der Kontrast zum blauem Himmel noch einmal extra.

Beinahe hätten wir auch einen Platz in einer der historischen Straßenbahnen ergattert. Wenn aber alle Sitzplätze vergeben sind, gestaltet sich der Aufenthalt im Stehen weder angenehm, noch lässt sich ausreichend aus den Fenstern gucken. Daher, Abfahrt ohne uns.

Irgendwann hatten wir genug vom Pflastertreten und Menschengewühle – ich mag mir gar nicht vorstellen, wie voll es in den Straßen in der Hauptsaison ist… 😮 – und fanden eine kleine Bar mit Terrasse etwas abseits des Trubels. An einem parkähnlichen Platz an der Grenze zum Wohngebiet.

Wenn ich Sangria bisher auch mehr mit Spanien in Verbindung gebracht habe, traute ich mich zur nachmittäglichen Stunde an ein kleines Gläschen der portugiesischen Variante.

Herrlich erfrischend und lecker. Irgendwie waren mir anschließend die anderen Touristen ganz egal… 😉 .

Zur Abwechslung liehen wir uns am nächsten Tag Fahrräder im Hafen

und cruisten entlang der wunderschönen Atlantikküste.

Sagen wir mal so, die Damen verweilten in Strand- und Hafennähe 😉 , und wir radelten bis zur neun Kilometer entfernten Kapelle, die dort 1686 auf den Felsen ins Meer gebaut wurde.

Wir ließen den Abend bei Spagetti und Kartenspielen ausklingen und hatten riesigen Spaß zusammen.

Wenn man sich Micha so ansieht, scheint er gar ermattet von der Damenpower, die ihn drei Tage umgab… 😉 Aber, ich denke, der Papi war einfach nur besonders happy, seine Tochter nach so langer Zeit mal wieder in den Arm nehmen zu können.

Ein paar Worte noch zur Douro Marina: die beiden Sekretärinnen sind schlichtweg der Hit. So zuvorkommend, hilfsbereit und engagiert erlebten wir es selten. Man ist sich im Büro einig, den Gästen einen unkomplizierten und angenehmen Aufenthalt zu bereiten und nimmt sich viel Zeit für Tipps und Informationen. Dazu gehört auch die Empfehlung für ein Portwein-Tasting in Porto. Judith und Peter von der FantaSea waren schon einen Tag vor uns in der Marina und hatten eine Kellereibesichtigung inklusive Portweinprobe für uns alle gebucht.

In der Churchill’s Kellerei lernten wir, dass Portwein wirklich nur aus dem Douro-Tal bei Porto stammt. Und wie unterschiedlich reine oder gemischte Sorte auf modern-traditionelle Weise hergestellt werden. Wir waren beeindruckt:

Nach der Tour saßen wir gemeinsam mit einem schwedischen Ehepaar zusammen, die mit ihrer Yacht ebenfalls ins Mittelmeer wollten. Drei verschiedene Portweine konnten wir in gemütlicher Wohnzimmeratmosphäre testen und dabei nett klönen.

Und wieder hörten wir von einem ganz anderen Lebensmodel und waren begeistert. Das Ehepaar (ca. Ende 50) stammt von der Insel Gotland und betreibt dort ein Hostel für internationale Gäste. Im letzten Jahr hatten sie durch die Corona-Pandemie ausreichend Zeit, sich zu überlegen, wie es weitergehen sollte. Bald war klar, dass üblicherweise 90% des Umsatzes in der Hauptsaison, also von Juni bis Anfang August erzielt werden. Warum dann also nicht das Hostel in der restlichen Zeit schließen und stattdessen Segeln gehen?! Und genauso machen sie es nun und verlegen seit August 2021 ihr Schiff in Richtung Mittelmeer, werden im Frühsommer 2022 wieder in Schweden sein und nach zwei bis drei arbeitsreichen Monaten weiter segeln. Eine perfekte Kombination. Mehr braucht es nicht.

Auch uns wurde an diesem Abend wieder einmal sehr bewußt, wie frei wir als Zeit-Millionäre auf unserer Carlotta unterwegs sein können. Was für ein Geschenk, was für ein Glück.

 

45. Etmal am 11. September von Vigo nach Leixoes – 34 Meilen unter Motor

46. Etmal  am 14.9. die fünf Meilen in die Douro Marina nach Porto